Wenn das E-MS Ägerisee ablegt, hat der Arbeitstag von Erika Berger und Köchin Selina Koch schon längst begonnen. Gemüse, fangfrische Brüggli-Forellen von Reichmuth, Fleisch aus Walchwil und die Pasta von ConSol – alles muss vorbestellt und an seinem Platz sein. In der Bordküche gibt es nur sehr wenig Kühl- und Lagerraum und nur zwei Herdplatten. «Was wir nicht an Bord haben, haben wir nicht», sagt die Gastgeberin und Leiterin der Gastro Ägerisee. «Darum ist Organisation bei uns alles.»
Seit der Kurssaison 2025 wird auf dem vollelektrischen Schiff frisch gekocht. Das ist eine grosse Umstellung, denn zuvor kamen die Speisen vom Hotel Morgarten an Bord. «Wir wollten zeigen: Auch auf einem kleineren Schiff geht frische Küche.»
Von Williams Lake auf den Ägerisee
Die Küssnachterin hat Gastgewerbe von Grund auf gelernt, viele Jahre im Service gearbeitet und zuletzt fünf Jahre lang das Hotel-Restaurant Morgarten geführt. Jahre davor lebte sie fünf Jahre in Nordwest-Kanada und arbeitete auf einer Guest Ranch in Williams Lake. «Dort machte ich Küche, Service, Gästebetreuung», erinnert sie sich. Vieles davon prägt sie bis heute: anpacken, mitdenken, flexibel bleiben.
Flexibilität braucht es auch an Bord. Denn hier läuft alles gleichzeitig ab. 30 Gäste steigen ein, wollen zur selben Zeit essen und steigen zwei Stunden später wieder aus. «Wir müssen schnell sein, freundlich – und Qualität bieten.» Tempo ja, Hektik nein. Unterstützt wird sie von Köchin Selina Koch, die auch 2026 wieder an Bord sein wird, sowie von mehreren Service-Aushilfen.
Genuss à la minute
Was möglich ist, wird vorgekocht – etwa Reis oder Wildgerichte für kulinarische Fahrten. Für grössere Vorbereitungen steht eine Profiküche an Land zur Verfügung. Das Herzstück ist jedoch die Bordküche. Vieles entsteht à la minute. Auch das Mittagsschiff mit dem täglichen Pasta-Lunch ist sehr gut nachgefragt.
Klein, saisonal, durchdacht
Es gibt hausgemachte Ravioli mit verschiedenen, saisonalen Füllungen, Tagliatelli mit Fisch – Erikas Lieblingsgericht – oder mit Fleisch. «Weniger Auswahl, aber Abwechslung», sagt die Gastronomin. Wichtig ist der Wohlfühl-und Genussmoment für Gäste. Das Schöne an ihrer Arbeit: «Die Menschen kommen anders zu uns an Bord», sagt sie. «Sie sind entspannter, lassen den Alltag hinter sich, geniessen den See.»
Auch 2026 bleibt das Konzept bestehen. Neu geplant sind Fitnessteller mit Salat und Fisch oder Fleisch für die heissen Sommertage. Schiffsgastronomie heisst eben auch: zuhören, mitdenken, sich anpassen – mit Erfahrung und Freude am Gastgebersein.
